Wie belastend ist unsere Arbeitswelt geworden?

von Corinne Schindlbeck
Veröffentlicht am: 24. November 2011
Kategorien: Allgemein
Tags:Keine Tags
Kommentare: 6 Kommentare

Burnout wird als »Mode-Diagnose« gerade öffentlich diskutiert, Betroffene als Jammerer verunglimpft. Wie geht es Ihnen? Haben Sie manchmal Angst, den gestiegen Erwartungen nicht mehr zu genügen, der (Arbeits-)Belastung nicht mehr standzuhalten? Worauf führen Sie das hauptsächlich zurück? Schreiben Sie mir Ihre Meinung!

Lügen mit Statistik

von Corinne Schindlbeck
Veröffentlicht am: 7. Juni 2011
Kategorien: Allgemein
Kommentare: 2 Kommentare

“Lügen mit Zahlen” lautet das neue Buch des Mathematik-Professors und Statistikers Gerd Bosbach. Er warnt im Interview auf karriere-ing.de davor, sich allzu leichtgläubig von offiziellen Zahlen beeindrucken zu lassen, denn diese würden oft zur Manipulation von Interessen missbraucht. So zieht Prof. Bosbach auch Zahlen zum Fachkräftemangel und zum demographischen Wandel in Zweifel: “Fachkräftemangel und Demographie werden dramatisiert”. Diskutieren Sie mit!

Ingenieurdienstleister: wie filtert man schwarze Schafe raus?

von Corinne Schindlbeck
Veröffentlicht am: 5. Mai 2011
Kategorien: Allgemein
Tags:Keine Tags
Kommentare: 53 Kommentare

Neues zum Thema Zeitarbeit. Gestern war ich auf einer Pressekonferenz in München. Präsentiert wurde die Lünendonk-Anwenderstudie 2011: “Zukunft der Ingenieurdienstleistungen in Deutschland”. Die Branche soll laut Studie stark wachsen. In vielen Bereichen, in denen Innovationen gefordert sind, wie zum Beispiel Energieeffizienz, neue Energien und Elektromobilität, spielen Ingenieurdienstleister eine immer wichtigere Rolle. Warum?

Entscheidend für die auftraggebenden Firmen ist laut Studie die “Lieferfähigkeit” der Dienstleister, sprich, sie wollen die benötigten – selbstverständlich exzellenten – Engineering-Ergebnisse und Spezialisten schnell bekommen, ohne lästige Suchanzeigen oder Auswahlgespräche, ohne weitere Verpflichtungen. Größter Auftraggeber ist neben der Automobilindustrie der Maschinenbau.

Auch der multinationale Konzern EADS besetzt bestimmte Stellen nicht mehr selbst, sondern kauft das Engineering bei ausgesuchten Dienstleistungs-Partnern ein, die sich auch gerne “Consultants” nennen.  Dass EADS so stark auf die externen Ingenieure setzt, ist kein Wunder. Ingenieurdienstleistung ist in Frankreich, der Heimat von EADS-Chef Luis Gallois, wesentlich stärker verbreitet, europäischer Marktführer ist die französische Firma Altran Technologies. Auch der ebenfalls französische Konkurrent Alten Engineering arbeitet viel für EADS.

EADS setzt komplett auf Werksverträge, nicht auf Arbeitnehmerüberlassung, ein feiner Unterschied. Also nicht auf “Leihbuden”, wie Ingenieurdienstleister mit diesem Geschäftsmodell abwertend genannt werden. Die Arbeit ist also viel eher mit der in einem Ingenieurbüro zu vergleichen. Dennoch: Auch bei EADS laufen die Verhandlungen über Engineering-Pakete und Rahmenverträge an den HR-Abteilungen vorbei, die Verhandlungen leitet der Einkauf.

Was ist der Unterschied zwischen einem Werkvertrag und Arbeitnehmerüberlassung? Bei einem Werkvertrag schuldet der Unternehmer die Erbringung eines Erfolgs und nicht bloß die Bereitstellung geeigneter Arbeitnehmer. Anders als bei der Arbeitnehmerüberlassung überträgt der Unternehmer das Direktionsrecht über seine Mitarbeiter deshalb auch nicht auf den Kunden, sondern erteilt die zur Erreichung des Erfolgs erforderlichen Weisungen selbst. Altran, einer der preferred Partner von EADS, hat kürzlich sein Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung wegen Geringfügigkeit eingestellt. Viele andere bieten AÜ neben Werksverträgen weiter an. Es sei kein Marketing-Blabla, dass man darauf achte, dass  der ausgeliehene Ingenieur nicht als Zweiter-Klasse-Mitarbeiter ausgebeutet würde, verteidigt sich einer der Dienstleister. Schließlich sei er das Kapital der Firma. Möglichen Missbrauch zu beurteilen fiele aus der Ferne nicht immer leicht, gibt er zu. Man könne nur reagieren, wenn sich der betroffene Ingenieur auch melde.

Leider ist es wohl so, dass viele Auftraggeber Leihingenieure als Zweiter-Klasse-Ingenieure missbrauchen bzw. sich über deren Wohlergehen wenig scheren. Manchmal, so Gerüchte, sei man nicht mal zur Kantine (!) zugelassen, in der Unternehmenskultur der Kollegen weder erwünscht noch verankert. Aber fällt das nicht viel eher negativ auf den Ausleiher, als auf den Verleiher zurück?

Zurück zum Geschäftsmodell. Natürlich feilscht der Einkauf so gut es geht um möglichst günstige Konditionen beim Dienstleister. Hat das Auswirkungen auf das Gehalt des einzelnen Ingenieurs? Verdient man in der Dienstleistungsbranche schlechter? Zumindest die vier anwesenden Firmen Altran, IndustrieHansa, Alten und YachtTeccon verneinen das. Die Gehälter seien längst vergleichbar. Karriere machen könne man jedoch bei einem Dienstleister schneller, auch die Fachkarriere ohne Personalverantwortung gehört zum Standard. Weiterbildung wird ebenfalls groß geschrieben. Bei YachtTeccon liegt die durchschnittliche Verweildauer bei gut 7 Jahren – das ist viel in einer Branche, die ein derart schlechtes Image hat.

Der Fachkräftemangel belastet die Dienstleister, die viel mehr Aufträge annehmen könnten, wenn sie mehr Ingenieure finden würden. Erschwerend hinzu kommt das schlechte Image. Wie erzählte mir einer der Geschäftsführer anschließend beim Imbiss: Nach dem Vorstellungsgespräch seien zwar viele Ingenieure angenehm überrascht von den angebotenen Aufgaben und Arbeitsbedingungen. Doch dann, nachdem sie drüber geschlafen haben, sagen sie doch ab. Denn weder bei Ehefrau noch Freunden ist die Branche angesehen.

Auffallend: die schwarzen Schafe, die Ausbeuter, die Sklaventreiber, das sind immer die anderen – man selbst gehöre selbstverständlich nicht dazu. Welche Erfahrungen haben Sie in der Ingenieurdienstleistungsbranche gemacht? Ich freue mich über ihre Beiträge, bloggen Sie mit!

Ingenieure als Rohware

von Corinne Schindlbeck
Veröffentlicht am: 18. April 2011
Kategorien: Allgemein
Tags:Keine Tags
Kommentare: 7 Kommentare

Letzt war ich auf einer Presseveranstaltung, bei der es  – wieder mal – um den Ingenieurmangel ging und um die Frage, was Unternehmen dagegen tun.

Veranstalter war ein großer Verein für Ingenieure. Auf dem Podium saßen allesamt Unternehmen, die  zusammen mit diesem Ingenieurverein als Sponsoren Aktionen organisieren, bei denen sie gut aussehen und als attraktiver Arbeitgeber rüberkommen.

Im Publikum: PR-Fachleute und Journalisten. Dann war ich dran. Warum empfehlen so viele Ingenieurväter ihr Studium dem eigenen Nachwuchs nicht mehr weiter? Warum findet man in den Stellenmärkten der Tageszeitungen und Internetbörsen so viele Stellenausschreibungen über Zeitarbeitsfirmen? Wenn der Mangel wirklich so groß ist, wäre es dann nicht besser, eigenes Personal zu finden und zu binden?

Der einzige, der mir antworten wollte, war der Mann von der Zeitarbeitsfirma.  Richtig interessant wurde es aber erst hernach beim Gespräch unter vier Augen: Ja, stimmt schon. Wenn, sagen wir mal, BMW ein Projekt für einen Dienstleister ausschreibt,  kann es vorkommen, dass alle angesprochenen Dienstleister gleichzeitig für dieses Projekt dieselben Leute suchen. Also angenommen, es werden zwei Ingenieure benötigt und vier Dienstleister sind im Rennen, macht das acht Stellengesuche, die öffentlich erscheinen, obwohl es eigentlich nur um zwei ausgeschriebene Jobs geht.  Als nächstes wird dann die „Ingenieurlücke“, die der große Ingenieurverein regelmäßig zusammen mit dem großen Umfrageinstitut der deutschen Wirtschaft publiziert, wieder angestiegen sein.

Was der Herr von der Zeitarbeitsfirma noch sagte: er bemühe sich redlich um seine angestellten Ingenieure, man zahle sogar nach IG-Metall-Tarif inklusive Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, investiere stark in Weiterbildung. Einmal habe er sogar zwei Ingenieure von einem Projekt abgezogen, weil sich der Auftraggeber abfällig über das Geschäftsmodell “Arbeitnehmerüberlassung” geäußert habe, das dulde er nicht, seine Leute seien keine Ingenieure zweiter Klasse. Das alles kostet natürlich: So zahlt der Kunde 59 Euro für die Ingenieursstunde – anderswo werden aber Dumping-Preise von 39 Euro geboten.  Personal kann man heute einkaufen wie Rohware – Unternehmensberater raten sogar, diesen Part dem Konzern-Einkauf zu unterstellen und bieten entsprechende Seminare an.

Puh, was für eine durchsichtige PR-Veranstaltung war das doch. Der Kollege einer großen Zeitung aus Frankfurt fand das offensichtlich auch – eine kurze, offene Frage zum Bachelor-Studium, bei der die Unternehmen wieder richtig gut aussehen konnten („Bachelor – toller Abschluss, suchen wir“), und dann war er auch schon wieder weg. Keine Nachfrage? Immerhin ist es um das Image des Bachelors stellenweise sehr schlecht bestellt, etwa in der Physik. Verbände wie der VDE raten Studenten ehrlicherweise zum Master, obwohl dieser eigentlich nur 20 Prozent aller Abschlüsse ausmachen soll. Ob es daran lag, dass die große Zeitung aus Frankfurt offizieller Karriere-Partner des Ingenieurvereins ist?

Seite 1 von 1

Welcome , 21. November 2014